Warum eigentlich Mediation? < – > Oder warum eigentlich nicht Mediation?

 

 

Was erwarten sie, wenn sie sich zur Lösung von Meinungsverschiedenheiten an ein Gericht wenden?

... ja - wozu eigentlich überhaupt ein Gericht, sie haben doch sowieso Recht, oder?

Aber sie brauchen den Richter bestimmt, um auch ihren Gegner davon zu überzeugen – oder zumindest, um auf dem Papier eine amtliche Bestätigung dafür zu erhalten, dass sie Recht haben. Dafür sind sie natürlich auch bereit, alle Hebel in Bewegung zu setzen, geduldig Zeit und Nerven sowie ein Startkapital zu investieren und dabei sogar das Risiko einzugehen, dass der Richter gegen sie entscheidet – was kann schon passieren, sie haben doch Recht, oder?

Aber sie können nun stolz auf sich sein, denn sie haben das Gerichtsverfahren tatsächlich gewonnen und werden dies nie vergessen – sie sind der Sieger! Sie haben es schriftlich – sie haben Recht und bekommen nun ihr Startkapital zurück, denn der Andere muss ja die Zeche zahlen.

 

Und jetzt haben sie auch einen klaren Rahmen für ihr zukünftiges Handeln. Alles kann nun aufgrund des Urteils eindeutig und unstrittig geregelt werden. Die Grenzen der Zusammenarbeit sind abgesteckt – wirtschaftlich wie auch persönlich.

 

Ups!

 

Zusammenarbeit – aber mit wem … ?

Zusammenarbeit von Sieger und Besiegtem nach einem Gerichtsprozess?

Auf welcher Basis – doch nicht etwa Vertrauen?

 

Rahmen für zukünftiges Handeln … ?

Wie geht das zusammen mit ...

... Zukunftsvisionen, Innovation, Kreativität, Flexibilität, Optionen freier Entscheidungsfindung?  

Der Rahmen gilt doch nicht nur für den Besiegten – er gilt gleichermaßen für den Sieger.

Soll das etwa heißen, dass zukünftige Handlungsoptionen durch den Rahmen gerichtlicher Entscheidungen begrenzt werden?

 

Und wie viel Einfluss haben Sie noch auf den eigentlichen Prozess?

Der Anwalt übernimmt die Führung, denn er entwickelt eine Strategie und hat seine Instrumente mit denen er Ihren Prozess vorantreiben und gewinnen will. Und Sie … ?

 

Ach ja – was wurde eigentlich aus dem ursprünglichen Problem, hat es das Gericht für sie gelöst?

 

 

Gerichte urteilen auf Grundlage der bestehenden Rechtsordnung durch Abwägung von Tatsachen und Fakten, resultierend aus dem Verhandlungsprozess. Danach haben die Gerichte eine sachliche Entscheidung zutreffen, welche auf der Grundlage von Rechtsmitteln umgesetzt und deren Einhaltung kontrolliert werden kann. Die Ursachen der Meinungsverschiedenheiten und Probleme bleiben jedoch bei den Parteien haften. Für eine weitere Zusammenarbeit bietet sich dann nur selten eine vernünftige Basis. Und wie auch immer die Entscheidung des Gerichtes aussehen mag - wenigstens eine der Parteien hat im Anschluss an einen solchen Konfliktbearbeitungsprozess ihr Gesicht verloren – aber der Konflikt selbst ist damit nicht vom Tisch. 

 

War es das Wert … ?                          

 

 

Die Mediation geht andere Wege.

 

Mediatoren verhalten sich unparteiisch. Sie suchen keinen Schuldigen, keinen Sieger oder Besiegten und sie treffen keine Entscheidungen. Mediatoren verstehen Konflikte als Chance zur Gestaltung von zwischenmenschlichen Beziehungen und zukünftigen Handlungsoptionen. Deshalb wirken sie unterstützend auf die Kommunikation der Parteien, ohne deren Entscheidungen zu beeinflussen.

Die Mediation bietet mit ihrem strukturierten Verfahren Chancen zu Vereinbarungen auf Augenhöhe der Parteien, welche deren Bedürfnisse berücksichtigen sollen und eine nachhaltige Konfliktlösung durch die Parteien selbst ermöglichen. Wenn dies gelingt, gehen aus der Mediation Sieger und keine Besiegten hervor.

Denn aus dem Gerichtsverfahren resultieren i.d.R. sachliche Entscheidungen, welche die wirtschaftlichen und persönlichen Handlungsspielräume der Parteien begrenzen.

Aus der Mediation resultieren Handlungsoptionen, welche die wirtschaftliche und persönliche Entfaltung der Parteien auf Augenhöhe ermöglichen

Der Erfolg eines Mediationsprozesses ist jedoch vom Einigungswillen und der Bereitschaft der Parteien zur aktiven Mitarbeit, abhängig.  

 

 

 

 

 

 

 

Ralph Arzt:   info (@) ralph-arzt.eu